Swane Jung, Zoologie, Bogislawstipendium seit Oktober 2023

Swane Jung, Foto: privat

Ohne ein passendes Geschenk oder einstudiertes Liebeslied auf einem Date aufzutauchen ist keine gute Idee – zumindest nicht, wenn man sechs Beine hat und das Ziel der Verabredung ein One-Night-Stand ist. Denn in kaum einer anderen Tiergruppe finden sich so viele unterschiedliche und bemerkenswerte Strategien, Strukturen und Mechanismen, wenn es um das Thema Partnersuche und Fortpflanzung geht, wie bei Insekten. Doch wann haben sich diese entwickelt und was lässt sich anhand von Fossilien über das Dating- und Brutpflegeverhalten urzeitlicher Schaben, Gottesanbeterinnen und Ohrwürmer herausfinden? In meiner Doktorarbeit gehe ich diesen Fragen nach und erforsche die Reproduktionsstrategien polyneopterer Insekten. Mit verschiedenen bildgebenden Verfahren wie Elektronenmikroskopie und µ-Computertomographie können die Morphologie heute lebender und fossiler Insekten im Detail untersucht und dabei Rückschlüsse auf mögliches Verhalten gezogen werden. Dabei versuche ich auch für die Medizintechnik relevante Informationen zur Biomechanik zu gewinnen.

Link Swane Jung

Alexander Biallas, Biochemie, Stipendium aus Landesmitteln seit Oktober 2023

Alexander Biallas, Foto: privat

Due to the increasing interest in sustainable and environmentally friendly methods of oligonucleotide synthesis, alternatives to chemical synthesis are constantly being explored. In addition, with the growing demand in large-scale de novo oligonucleotide synthesis, the traditional method based on phosphoramidite chemistry is reaching its limits. One promising possibility is the use of enzymes, which are gentler and more efficient. The combination of synthesis under aqueous and mild conditions and enzyme specificity reduces unwanted side reactions such as depurination and by-product formation, allowing for the production of longer oligonucleotides directly. Template-independent enzymatic oligonucleotide synthesis (TiEOS) employs the terminal deoxynucleotide transferase (TdT) to synthesize DNA oligonucleotides on solid phase in the same way as chemical synthesis, with comparable coupling efficiency. However, enzymatic RNA synthesis has not yet reached the same level of development as DNA synthesis. This is primarily due to the lack of an enzyme that is as efficient as TdT for the synthesis of ribonucleotides.

The objective of my doctoral dissertation is to develop a method for the enzymatic solid phase synthesis of specific RNA synthons, which can be utilized as building blocks for the synthesis of longer oligonucleotides via enzymatic ligation. The combination of blockmer synthesis and enzymatic oligonucleotide assembly represents a promising and innovative system that is particularly crucial for sustainability.

Chair of Bioorganic chemistry

Birte Jensen, Germanistik, Stipendium aus Landesmitteln seit Oktober 2023

Birte Jensen, Foto: privat

Politische Machtkämpfe, Intrigen, Loyalitätskonflikte, religiöse Auseinandersetzungen und Kriege - von diesen zeitlos aktuellen Themen erzählen die sechs frühneuhochdeutschen Prosaromane, mit denen ich mich im Rahmen meines Dissertationsprojektes auseinandersetze. Diese Bearbeitungen von französischen Heldenepen entstehen im 15. und 16. Jahrhundert als Handschriften und frühe Drucke, einige von ihnen sind Bestseller ihrer Zeit. Die Entstehungszeit der Romane ist durch große Umbrüche in der Literaturentstehung und -rezeption geprägt: Das typische Buch wird gedruckt, während die repräsentative und kostspielige Handschrift seltener wird. Erzähltexte werden häufiger in Prosa verfasst, der Versroman scheint überholt. Mit dem Entstehen eines Buchmarktes nimmt auch die Lesefähigkeit der Bevölkerung zu. Literatur ist nicht mehr nur Adligen und dem Klerus zugänglich.

Die Prosaromane kürzen ihre Vorlagen teilweise stark, die Redeszenen hingegen bleiben meistens unangetastet, teilweise werden sie sogar erweitert. Doch warum sprechen die Figuren so ausgiebig miteinander, während der Erzähler zunehmend in den Hintergrund tritt? Unter dem Arbeitstitel 'Das gesprochene Wort, ein stumpfes Schwert?' frage ich im methodischen Grenzbereich von Literatur- und Sprachwissenschaft nach den Strukturen und Funktionen von Redeszenen. Mein Projekt verfolgt das Ziel, textübergreifende Erzählstrukturen offenzulegen, die für die Redeszenen kennzeichnend sind. In Fallanalysen beschäftige ich mich zudem mit dem Einfluss von Figurenrede auf die Gestaltung von Machtstrukturen und analysiere, wie Redeszenen dazu beitragen, dass uns bestimmte Figuren beim Lesen besonders sympathisch erscheinen.

Link Birte Jensen Aktueller Aufsatz 2025

Gesa Krueger, Humanbiologie, Stipendium aus Landesmitteln seit Oktober 2023

Gesa Krüger, Foto: Privat

My research is focuses on immunology of infection and specifically immunity to tuberculosis, an infectious disease caused by mycobacteria affecting a wide range of hosts. The formation of granulomas in the lung is a hallmark of tuberculosis that threatens millions of lives. However, the dynamics and function of granulomas are poorly understood. Recent studies point to the importance of the granuloma microenvironments for lesion progression. In my work, I aim to investigate the fate of macrophages (phagocytes of the innate immune system) in granulomatous microenvironments after mycobacterial infection in cattle. To this end, I will use a three-dimensional in vitro granuloma model that allows the dynamic study of granulomas and recapitulates different granuloma stages, as observed during infection with Mycobacterium tuberculosis and Mycobacterium bovis. By defining cellular compartments, the defensive activity of macrophages within different microenvironments will be evaluated. Effects of different mycobacterial species will be investigated in various composite granuloma models. Overall, the interaction between macrophages and mycobacteria within granuloma microenvironments will be deciphered.

Work with virulent mycobacteria requires high-containment laboratory standard of the Biosafety Level 3, and the experimental work is therefore conducted at the Friedrich-Loeffler-Institute on the isle of Riems. This makes my laboratory work particularly exciting.

Link Institut für Immunologie

Sepideh Davoodzadeh, Cardiovascular Epidemiology, Bogislawstipendium seit April 2024

Sepideh Davoodzadeh
Sepideh Davoodzadeh, Foto: Privat

My doctoral research focuses on investigating the relationship between anthropometric markers and the arterio-venous ratio in the general population. We aim to understand how body measurements correlate with this ratio and what beneficial insights this could offer for our health.

Why is this interesting? Overweight and obesity significantly contribute to the global prevalence of cardiovascular diseases. Structural changes in the retinal blood vessels could provide early indications of cardiovascular aging.

Tobias Ihle, Stipendium aus Landesmitteln seit Oktober 2024

Tobias Ihle, Foto: Privat

Urbane Grünflächen sind ein naturbasierter Ansatz, um städtische Herausforderungen wie die Anpassung an den Klimawandel und gesundheitliche Ungleichheit zu bewältigen und gleichzeitig positive Effekte für das städtische Leben zu entfalten. Zahlreiche Studien belegen die positiven Einflüsse von Grünflächen auf die menschliche Gesundheit. Sie entfalten ihre Wirkung, indem sie Möglichkeiten für körperliche Aktivität und soziale Interaktion schaffen, Umweltbelastungen wie Lärm und Luftverschmutzung mindern und die Auswirkungen von Extremwetterereignissen abfedern. Dennoch haben gerade Menschen aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen häufig nur begrenzten Zugang zu diesen Flächen in ihrer Wohnumgebung und nutzen sie seltener – obwohl sie von den Vorteilen in besonderem Maße profitieren könnten.

Hier setzt mein Promotionsprojekt an: Eine Möglichkeit, um den Zugang zu verbessern und die Nutzung zu steigern, ist die aktive Partizipation der Bürger*innen bei der Gestaltung von Grünflächen. Dadurch können diese besser an die Bedürfnisse der Bewohner*innen angepasst werden und es wird das Verantwortungsgefühl und die Identifikation mit dem geschaffenen Raum gefördert. Zudem gibt es erste Hinweise darauf, dass soziale Partizipation nicht nur die Grünflächen selbst verbessert, sondern auch direkte, positive Effekte auf die Lebensqualität der Teilnehmenden hat. Im Rahmen meiner Promotion möchte ich diese individuellen Effekte genauer untersuchen. Konkret erforsche ich, wie sich die Partizipation bei der Gestaltung von Grünflächen auf die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Teilnehmenden sowie auf sozialen Zusammenhalt und Umweltbewusstsein auswirkt. Dazu führe ich eine quasi-experimentelle Studie in einem Wohnquartier durch, bei der ein Ecological Momentary Assessment-Ansatz zum Einsatz kommt. Diese Methode wird durch qualitative Interviews ergänzt, um ein umfassendes Bild von den Auswirkungen der Bürgerbeteiligung zu gewinnen.

https://psychologie.uni-greifswald.de/tobias-ihle/ - Link Tobias Ihle

Supradipta De, Biologie, Stipendium aus Landesmitteln seit 01.04.2025

Supradipta De, Foto: privat

Lower respiratory tract infections continue to represent a major global health burden, ranking as the fifth leading cause of mortality worldwide and remaining the foremost cause of death in low-income countries. In 2024, the World Health Organization (WHO), in an updated assessment of its 2017 priority pathogens list, designated Streptococcus pneumoniae as one of the 15 “high priority pathogens,” emphasizing its increasing threat to human health, largely due to the rise in antibiotic resistance.

Streptococcus pneumoniae expresses up to four serine proteases that are secreted or surface-exposed in a strain-dependent manner. These include the high temperature requirement A protein (HtrA), the subtilisin-like proteases PrtA and Sfp, and CbpG, a choline-binding protein with proteolytic activity. These proteases are implicated in various pathogenic processes, including protein quality control, immune evasion, and host tissue interaction.

In my PhD thesis, Project A6 which is a part of Research Training Group- Proteases (RTG-Pro) funded by DFG is designed to investigate the functional roles of these pneumococcal serine proteases within the context of the bacterium's global proteome. The project aims to elucidate their contributions to epithelial adherence and colonization, as well as to define their substrate specificities. A particular focus is placed on understanding how these enzymes facilitate disruption of epithelial barrier integrity, thereby promoting invasive disease. Through this research, Project A6 seeks to advance our understanding of pneumococcal pathogenesis and identify potential targets for therapeutic intervention.

Link zur AG: https://biologie.uni-greifswald.de/struktur/institute/interfakultaeres-institut-fuer-genetik-und-funktionelle-genomforschung/abteilung-molekulare-genetik-und-infektionsbiologie/ag-hammerschmidt/personal/

Melanie Taprogge, Mathematik, Stipendium aus Landesmitteln seit April 2026

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Wie können wir ausgehend von gegebenen Annahmen sicher wissen, ob eine Vermutung wahr ist oder nicht? Diese Frage spielt eine zentrale Rolle in der Philosophie und Mathematik, aber auch in ganz praktischen Feldern wie der Informatik und sogar in der Rechtsprechung. Um zuverlässige Schlussfolgerungen zu ziehen, braucht es klare Regeln, und genau diese liefern formale Logiken. Sie ermöglichen es, Beweise, also präzise und lückenlose Argumentationsketten, zu formulieren. Heute gibt es zahlreiche Werkzeuge, die diesen Prozess unterstützen oder sogar vollständig automatisieren. Letztere, sogenannte Automatische Theorembeweiser, sind zwar besonders praktisch, ihre erzeugten Beweise sind jedoch oft sehr umfangreich und schwer nachvollziehbar, sodass eine manuelle Überprüfung kaum möglich ist. Gleichzeitig sind auch solche Systeme letztlich Software und damit potenziell fehleranfällig. Das wirft eine zentrale Frage auf: Wie können wir sicher sein, dass die erzeugten Beweise wirklich korrekt sind? Genau hier setzt mein Promotionsprojekt an, in dem ich daran arbeite, die vom höherstufigen Theorembeweiser Leo-III erzeugten Beweise unabhängig zu verifizieren. Dafür übersetze ich sie in das sogenannte Dedukti-Framework, das eine einheitliche formale Sprache zur Darstellung und Überprüfung von Beweisen bereitstellt. So können Korrektheit garantiert und gleichzeitig die Zusammenarbeit verschiedener Beweissysteme ermöglicht werden.

https://melanie-taprogge.github.io/

Alyna Paul, Psychologie, Bogislaw-Stipendium seit April 2026

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Individuals’ personalities change throughout their lives, following similar trajectories. Yet there are substantial individual differences in the variation from average personality change rates, which remain poorly understood (Bleidorn et al., 2022).
One possible reason why some people increase in personality traits, whereas others decrease or stay stable on those traits, is social norms. Social norms are commonly understood as expectations about individuals’ behaviors, thoughts, and feelings (Cialdini & Trost, 1998). Social norms about personality are, thus, expectations about how an individual should be. 
Several studies found that people change their behavior to conform to social norms (Legros & Cislaghi, 2020). Accordingly, personality norms may prompt personality change to increase conformity over time, i.e., personality trait assimilation. 
In my phd project, I will investigate whether and how personality norms predict personality assimilation. This approach extends personality development research by addressing whether individuals’ personality trait levels converge over time, while previous studies largely focused on whether individuals change personality at similar rates (Roberts et al., 2001). 
Further, how extraverted or agreeable someone is expected to be varies by region, gender, age, and socioeconomic status, suggesting that personalities become increasingly similar within a social context. In contrast, heterogeneity across different social contexts should remain. Personality assimilation towards context-specific personality norms may, therefore, help explain the substantial individual differences we see in personality development trajectories.

https://psychologie.uni-greifswald.de/43051/lehrstuehle/differentielle-und-persoenlichkeitspsychologie-psychologische-diagnostik/personal/alyna-paul/

Leon Bohnet, Psychologie, Bogislawstipendium seit April 2026

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Menschen verfügen über die bemerkenswerte Fähigkeit, Denken und Handeln flexibel und schnell an wechselnde Umweltanforderungen anzupassen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass diese Flexibilität in bestimmten Situationen stark begrenzt ist: Menschen können überraschend in einmal etablierten Denk- und Handlungsroutinen verharren, etwa wenn sie weiterhin Strategien einsetzen, die zuvor erfolgreich waren, unter veränderten Bedingungen jedoch nicht mehr zielführend sind. Gleichzeitig ist das Phänomen geringer kognitiver Flexibilität auch präsent bei verschiedenen klinischen Störungsbildern (z.B. Depressionen oder Zwangserkrankungen).

Zu verstehen, welche Faktoren und Mechanismen kognitive Flexibilität erhöhen oder anderweitig beeinflussen, ist daher von zentraler Bedeutung. Zugang hierzu bilden Übergänge zwischen Phasen hoher und niedriger kognitiver Anforderungen (z.B. von Multitasking, also das gleichzeitige oder abwechselnde Ausführen mehrerer Aufgaben zurück zu einer Einzelaufgabe). Diese Anforderungsübergänge bieten hervorragende Anknüpfungspunkte, um mittels gezielter experimenteller Manipulationen verschiedene Faktoren und Bedingungen zu testen, die eine modulierende Wirkung auf die kognitive Flexibilität haben könnten. Genau hier setzt mein Promotionsprojekt an, in dem ich systematisch verschiedene Faktoren und Bedingungen experimentell teste, um besser zu verstehen, wie wir Flexibilität verbessern und aufrechterhalten können.

Link zur Arbeitsgruppe

Emilia Skrabalek, Bogislawstipendium seit April 2026

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Wer Mathematik nur auf die Anwendung von Formeln und Verfahren sowie auf das Erzielen richtiger Ergebnisse reduziert, verkennt ihren eigentlichen Kern – die Frage nach dem Warum. Die Faszination der Mathematik beginnt dort, wo nicht mehr nur gefragt wird, ob etwas stimmt, sondern warum es gilt. Mathematik lebt davon, dass Aussagen begründet, Zusammenhänge erklärt und Geltungsansprüche kritisch geprüft werden. Vor diesem Hintergrund überrascht es umso mehr, dass Argumentieren, Begründen und Beweisen im schulischen Mathematikunterricht, wie verschiedene Praxisberichte und empirische Beiträge zeigen, häufig eine eher untergeordnete Rolle zu spielen scheinen. Das ist aus mehreren Gründen problematisch: Fachlich bleibt damit ein zentraler Zugang zu mathematischem Verstehen unterbelichtet; zugleich fehlen vielen Lernenden Erfahrungen mit einer Praxis dieser Wissenschaft, die etwa auch für den Übergang in mathematikhaltige Studiengänge von erheblicher Bedeutung ist. Nicht zuletzt berührt mathematisches Argumentieren eine über das Fach hinausweisende Bildungsdimension. In einer Gegenwart, die von einer hohen Informationsdichte, zugespitzten Behauptungen und der Gefahr von Desinformation geprägt ist, werden die Fähigkeiten, Informationen kritisch zu prüfen, Evidenzen abzuwägen und eigene reflektierte Urteile zu fällen, zu Schlüsselkompetenzen. Genau an dieser Stelle setzt mein Promotionsvorhaben an. Im Rahmen eines Design-Based Research Projekts entwickle und erprobe ich Lernumgebungen für den Mathematikunterricht der Sekundarstufe 1, die sich in den regulären Unterricht integrieren lassen und mathematisches Argumentieren gezielt fördern sollen. Untersucht wird dabei, wie solche Lernumgebungen gestaltet und im Unterricht umgesetzt werden müssen, damit sie tragfähige Begründungsprozesse bei Lernenden anregen und Kompetenzzuwächse ermöglichen. Auf diese Weise sollen nicht nur praxistaugliche Materialien entstehen, sondern auch empirisch fundierte Gelingensbedingungen zur Kompetenzförderung gewonnen werden.

Nele Ahlhaus, Stipendium aus Landesmitteln seit Dezember 2025

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Die Tiefsee ist kein stiller Ort. Auch in Hunderten Metern Wassertiefe bewegen sich gewaltige Wassermassen entlang der Kontinentalränder – angetrieben von Temperatur- und Dichteunterschieden im Ozean, die letztlich Teil der globalen Meeresströmung sind. Diese sogenannten Bodenströmungen transportieren und sortieren Sediment, erodieren den Meeresboden und hinterlassen charakteristische Ablagerungen, die als Konturite bezeichnet werden. Daneben können auch Dichteströme die Hänge hinabgleiten, Sediment in die Tiefsee verfrachten und sich dort als Turbidite ablagern. Wenn beide Prozesse zusammenwirken, entstehen besonders komplexe und schwer zu interpretierende Schichtfolgen. Genau ein solches System untersuche ich derzeit in meiner Doktorarbeit – und zwar an einem einzigartigen Aufschluss auf Zypern. An der Küste bei Petra tou Romiou, dem sagenumwobenen Geburtsort der Aphrodite, sind frühmiozäne Meeressedimente der sogenannten Pakhna-Formation aufgeschlossen. Diese Gesteine, die vor etwa 20 Millionen Jahren am damaligen Kontinentalabhang des östlichen Mittelmeers abgelagert wurden, zeigen auf engstem Raum das faszinierende Zusammenspiel von Dichte- und Bodenströmungen.

Was dieses Forschungsgebiet besonders macht: Die Sedimente bestehen fast ausschließlich aus bioklastischen Karbonaten – also aus den zerbrochenen und umgelagerten Schalen und Skeletten von Meeresorganismen wie Großforaminiferen, Rotalgen und planktonischen Foraminiferen. Diese Partikel verhalten sich im Strömungsfeld völlig anders als siliziklastische Körner, da sie unregelmäßige Formen, hohe Porosität und sehr unterschiedliche Dichten aufweisen. Das macht die Interpretation der Ablagerungsprozesse besonders anspruchsvoll und spannend. 

Nicht nur bei Petra tou Romiou, sondern an mehreren Aufschlüssen entlang des südwestzypriotischen Kontinentalabhanges untersuche ich die Konturit-Abfolgen der Pakhna-Formation mit einem integrierten Ansatz aus hochauflösender Sedimentologie, Mikrofaziesanalyse und Ichnologie. Durch die systematische Kartierung von Schichtgeometrien, Sedimentgefügen und Bioturbationsstrukturen an lateral korrelierbaren Profilen lassen sich syn-depositionale Aufarbeitungsphasen, also solche, die bereits während oder unmittelbar nach der Ablagerung einsetzen, von post-depositional wirkenden Bodenströmungen unterscheiden, die die Sedimente nach ihrer Verfestigung erneut erodieren, transportieren und umlagern. Die Erkenntnisse meiner Arbeit tragen dazu bei, die diagnostischen Kriterien zur Unterscheidung von Konturiten, Turbiditen und ihren Mischformen zu verfeinern, insbesondere in einem karbonatischen System, das in der internationalen Konturit-Forschung bislang deutlich unterrepräsentiert ist. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen es ermöglichen, zypriotische Konturite als geologisches Archiv zu nutzen. Deren systematische Analyse ermöglicht Rückschlüsse auf paläozeanographische Prozesse sowie auf die geodynamische Entwicklung des östlichen Mittelmeerraums, insbesondere hinsichtlich des Einflusses der Schließung ozeanischer Passagen auf die Meereszirkulation und das globale Klima.

https://geo.uni-greifswald.de/lehrstuehle/geologie/sedimentologie/forschung-projekte/konturite-zypern/