Was ist Akkreditierung?

Im Zuge des Bologna-Prozesses wurde die Struktur der Studiengangsgestaltung in deutschen Hochschulen tiefgreifend verändert. Die bisher üblichen Studiengänge und Abschlüsse wie z. B. das Diplom wurden durch das Bachelor-/Masterstudiengangssystem abgelöst. Begleitend wurden auch die Mechanismen zur Gewährleistung der Qualität der von den jeweiligen Hochschulen angebotenen Studiengänge verändert. Im Folgenden finden Sie kurze Erklärungen der relevanten Begrifflichkeiten im Hinblick auf das Thema Akkreditierung an deutschen Hochschulen.

Ausgangspunkt für die Umgestaltung des Systems der Qualitätssicherung innerhalb der deutschen Hochschullandschaft ist der Gedanke einen großen Teil der Verantwortung für die Überprüfung der relevanten Qualitätsstandards aus dem unmittelbaren staatlichen Bereich in ein neues Akkreditierungssystem zu verlagern. Hierzu wurde zunächst der sogenannte Akkreditierungsrat in Form einer Stiftung geschaffen*(1), dessen Aufgabe im Mission Statement folgendermaßen beschrieben wird:

  • „Die Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland hat den gesetzlichen Auftrag, das System der Qualitätssicherung in Studium und Lehre durch Akkreditierung von Studiengängen zu organisieren. Sie versteht sich als Organisation, die in der Erfüllung dieser Aufgaben einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Entwicklung der Qualität von Studium und Lehre in den deutschen Hochschulen leistet, diese Qualität dokumentiert und dadurch die Reputation deutscher Studiengänge im In- und Ausland sichert und erhöht.“*(2)

Im Rahmen seines Auftrages akkreditiert der Akkreditierungsrat wiederum einzelne Akkreditierungsagenturen*(3), die hierdurch berechtigt sind Studiengänge und hochschulinterne Qualitätssicherungssysteme durch Verleihung des Qualitätssiegels der Stiftung zu akkreditieren.*(4)

In diesem Akkreditierungssystem lag der Schwerpunkt zunächst auf der Akkreditierung von einzelnen Studiengängen an den jeweiligen Hochschulen. In einem sog. Peer-Review-Verfahren, d.h. der Qualitätsüberprüfung in einem Verfahren unter Einbeziehung der Hochschulen und externer Gutachter, werden einzelne Studienprogramme anhand bestimmter Mindeststandards bewertet. Die abschließende Entscheidung der Gutachtergruppe führt schließlich zur Akkreditierung (ggf. unter Auflagen) oder Nichtakkreditierung, also der Verleihung eines Qualitätssiegels für den betreffenden Studiengang. Im Zeitverlauf stellten sich jedoch verschiedene Nachteile der Programmakkreditierung heraus, insbesondere die nur punktuelle Überprüfung der Qualitätssicherungsmechanismen an Hochschulen, der nicht unerhebliche Zeit- und Kostenaufwand für die jeweiligen Fachbereiche an den Universitäten und eine teilweise fehlende Konsistenz von Akkreditierungsentscheidungen verschiedener Agenturen.

Als Alternative zum Programmakkreditierungssystem wurde als Reaktion auf die genannten Kritikpunkte das Verfahren der Systemakkreditierung entwickelt. Gegenstand der Systemakkreditierung soll das gesamte interne Qualitätssicherungssystem einer Hochschule im Bereich Studium und Lehre sein. Während des Verfahrens werden die für Studium und Lehre relevanten Strukturen und Prozesse einer Universität daraufhin überprüft, ob sie das Erreichen der Qualifikationsziele und eine hohe Qualität der Studiengänge gewährleisten, wobei hier die European Standards and Guidelines for Quality Assurance in Higher Education (EQA-HE)*(5), die Vorgaben der Kultusministerkonferenz*(6) und die Kriterien des Akkreditierungsrates*(7) maßgeblich sind. Es handelt sich um ein mehrstufiges Verfahren, das auf dem Prinzip des Peer Review beruht und durch eine Akkreditierungsagentur durchgeführt wird. Eine verfahrensabschließende positive Akkreditierungsentscheidung bescheinigt der Hochschule, dass ihr Qualitätssicherungssystem im Bereich von Studium und Lehre geeignet ist, die vorgegebenen Qualifikationsziele und Qualitätsstandards für die angebotenen Studiengänge zu gewährleisten.

Es geht also bei der Systemakkreditierung darum die Existenz eines hochschulweiten Qualitätssicherungssystems nachzuweisen und somit den Hochschulen auch im Bereich der Gestaltung ihres Qualitätssicherungssystems mehr Autonomie einzuräumen. Bei positiver Entscheidung im vorgesehenen Akkreditierungsverfahren kann die jeweilige Hochschule die Qualität in Studium und Lehre im Rahmen des universitätsübergreifenden Systems eigenständig steuern. Zudem soll die Akkreditierung des hochschulübergreifenden Qualitätssicherungssystems eine nachhaltigere Wirkung erzielen als die punktuelle Überprüfung einzelner Studiengänge. Konsequenterweise entfällt für Studiengänge, die das interne Qualitätssicherungssystem der jeweiligen Hochschule durchlaufen haben, das Erfordernis der Programmakkreditierung in der bisherigen Form.

Fußnoten

*(1) Akkreditierungsrat: Rechtliche Grundlagen
www.akkreditierungsrat.de

*(2) Beschluss des Akkreditierungsrates vom 18.06.2007
www.akkreditierungsrat.de

*(3) Akkreditierungsagenturen
www.akkreditierungsrat.de

*(4) Abbildung zum deutschen Akkreditierungssystem
www.akkreditierungsrat.de
(Auf der Seite befindet sich ein entsprechendes Schaubild)

*(5) European Standards and Guidelines for Quality Assurance in Higher Education (EQA-HE)
www.enqa.eu
(Öffnet ein pdf-Dokument)

*(6) Vorgaben der Kultusministerkonferenz
www.kmk.org

*(7) Kriterien des Akkreditierungsrates
www.akkreditierungsrat.de


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