Rudolf Stundl (1897 – 1990)

Rudolf Stundl  Foto: Kustodie Universität Greifswald
Rudolf Stundl
Foto: Kustodie Universität Greifswald

Der Wiener Teppichfachmann und Tapisserist Rudolf Stundl führte während der Zeit der Weltwirtschaftskrise für die verarmten vorpommerschen Fischern die Teppichknüpferei als Nebenerwerb ein. Aus dieser ersten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Pommern entwickelte sich ein, für diese Region originäres Kunsthandwerk.

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Aus dieser ersten Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in Pommern entwickelte sich ein, für diese Region originäres Kunsthandwerk. Für den Österreicher wurde die in harmonischer Ursprünglichkeit erlebte Küstenlandschaft Vorpommerns zur Quelle auf der Suche nach Mustern für die Teppiche. Fische, Möwen, Stranddiesteln die schwedische Kogge, Anker und Möwen etablierten sich als typisch nordische Ornamente und machten die Freester Teppiche unverwechselbar. Seit 1928 wurden die Fischerteppiche in den Dörfern Freest, Lubmin und Spandowerhagen an der vorpommerschen Ostseeküste geknüpft. Als „Perser von der Ostseeküste“ haben diese textilen Unikate durch eine überzeugende künstlerische Qualität sowie ein cleveres Marketing von Rudolf Stundl Zeiten unterschiedlicher politischer Verhältnisse überdauert. In der 1953 gegründeten Produktionsgenossenschaft „Volkskunst an der Ostsee“ wurden bis 1992 Teppiche geknüpft und Webarbeiten gefertigt.

Aufgrund der langjährigen Verbundenheit von Rudolf Stundl mit der Universität hatte er 1983 die Rudolf-Stundl-Stiftung an der ehemaligen Germanistik-, Kunst- und Musikwissenschaft der Greifswalder Universität gegründet, um das textile Schaffen zu fördern. 23 Fischerteppichunikate sind heute Teil der Akademischen Kunstsammlung der Universität Greifswald. Sie befanden sich bis 1990 im Wohnhaus des Ehepaares Stundl in der Gützkower Landstraße 84. Viele dieser textilen Arbeiten sind in einer künstlerischen Zusammenarbeit zwischen dem Teppichfachmann R. Stundl und seiner Ehefrau, der Weberin Frida Stundl-Pietschmann, entstanden. Die Kustodie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald betreut seit 1990 den gesamten künstlerischen Nachlass von Rudolf Stundl.

Literatur
Dahlenburg und Feltkamp: Freester Fischerteppiche der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Greifswald 2008

Rudolf Stundl und Frida Stundl-Pietschmann, Leipziger Messe, 1965 Foto: Kustodie Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Rudolf Stundl und Frida Stundl-Pietschmann, Leipziger Messe, 1965
Foto: Kustodie Universität Greifswald
Teppichknüpfversammlung mit Fischern in Freest unter Leitung von Rudolf Stundl Foto: Kustodie Universität Greifswald
Teppichknüpfversammlung mit Fischern in Freest unter Leitung von Rudolf Stundl
Foto: Kustodie Universität Greifswald
Frieda Stundl-Pietschmann am Flachwebstuhl, 1958 Greifswald Foto: Kustodie Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Frieda Stundl-Pietschmann am Flachwebstuhl, 1958 Greifswald
Foto: Kustodie Universität Greifswald