Entwicklung und Einrichtung eines neuen Studiengangs

Verfahrensablauf - Hinweise zum Vorgehen

Für die Entwicklung eines neuen Studiengangs oder für eine substanzielle Studiengangsänderung muss als erstes ein bestätigender Beschluss des Rektorats vorliegen. Dieser wird im Einvernehmen mit der Dienstberatung der Dekan*innen getroffen. Eine entsprechende Konzeptksizze als Antrag an das Rektorat muss beinhalten: 1. Aussagen zum inhaltlichen Konzept, 2. Angaben zu dem/den beteiligten Institut/en, 3. Darstellung der Einbindung des neuen/modifizierten Studiengangs in das inhaltliche Profil der Fakultät/en, 4. Angaben zur erwarteten Nachfrage und zu den Berufsperspektiven, 5. Angaben zu der erwünschten Zahl der Studienplätze und 6. eine Zusammenstellung und Bestätigung der für den Studiengang vorhandenen personellen Ressourcen.

Die nächsten Schritte der Studiengangsentwicklung folgen dem vom Senat beschlossenen Verfahrensablauf. Ein Leitfaden für die Akkreditierung informiert über die Akkreditierungsanforderungen. So muss frühzeitig die Einbeziehung externer Gutachter*innen geklärt werden.

Nach Abschluss der Studiengangsentwicklung am Institut bzw. an der Fachrichtung werden die Studiengangsdokumente an das Dekanat der Fakultät weitergeleitet. Die Studiengangsdokumente umfassen:

  1. Prüfungs- und Studienordnung
  2. Anschreiben
  3. der von Rektorat und Dienstberatung bestätigte Antrag
  4. der Nachweis über die Einbeziehung/das Votum der Studierendenvertretung
  5. der Nachweis über die für die Akkreditierung des neuen Studiengangs erforderliche Einbeziehung externer Gutachter*innen bzw. Angaben zum Akkreditierungsturnus

Das Dekanat leitet die Studiengangsdokumente nach Bestätigung durch den Fakultätsrat an die Geschäftsstelle des Senats weiter. Anschließend folgt die Überprüfung der Studiengangsdokumente im Verfahrensgang der Studienkommission.


Hinweise zur Modularisierung und Studiengangsgestaltung

Qualifikationsziele

Der Studiengang und die einzelnen Module sind auf Qualifikationsziele ausgerichtet. Die Leitfrage bei der Studiengangskonzeption lautet: Was soll am Ende herauskommen, also gelernt werden (=Lernergebnisse)?

Grundsätzlich muss differenziert werden, ob es sich um einen Bachelor- oder Masterstudiengang handelt. Diplom- und Staatsexamensstudiengänge sind im Niveau des Abschlusses den Masterstudiengängen gleichgestellt. Im Bachelorstudiengang werden grundlegende Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen vermittelt. Im Masterstudiengang werden vertiefte und erweiterte Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen vermittelt. Bei der Formulierung der Qualifikationsziele ist der Qualifikationsrahmen für Deutsche Hochschulabschlüsse zu beachten. Die allgemeinen Kompetenzen und Fertigkeiten, über die ein*e Absolvent*in verfügen sollte, differieren nach Abschlussgrad.

Die gängigste Systematik zur Differenzierung der Qualifikationsziele bzw. Lernergebnisse ist die Bloomsche Taxonomie. Weiterhin finden Sie hier Formulierungshilfen für Qualifikationsziele und einen Leifaden zur praktischen Formulierung von Lernergebnissen.

Einbeziehung der Studierenden

Obligatorisch und gute Praxis

Die Einbeziehung der Studierenden in Studiengangsreformvorhaben oder die Studiengangsentwicklung ist obligatorisch und gute Praxis, sind sie doch die Zielgruppe des Studienprogramms. 

Spätestens zur Erörterung der Neufassung oder Änderungssatzung zur Prüfungs- und Studienordnung in der Studienkommission des Senats muss eine Stellungnahme der Studierendenschaft/Fachschaft vorliegen. In der studentischen Stellungnahme sollte erkennbar sein, dass Vertreter*innen der Studierendenschaft an der Studiengangsentwicklung beteiligt oder darüber informiert waren und Gelegenheiten bestanden, die studentische Perspektive einzubringen.

Insbesondere bei umfachgreichen Studiengangsreformen interessieren die studentischen Einschätzungen, inwieweit das (geplante) Studienangebot aus studentischer Sicht attraktiv ist und inwieweit die getroffenen Regelungen zu Aufbau und Struktur des Studiengangs von den Studierenden geteilt würden.

Hier finden Sie ausgewählte Aspekte der Studiengangsentwicklung aus Sicht der Studierenden.

Sachgerechte Modularisierung

Der Senat der Universität Greifswald verabschiedete einige Empfehlungen "Bologna 2.0" zur handwerklichen Umsetzung der Modularisierung. Einige der wichtigsten sind:

  • Module bestehen aus mindestens zwei Veranstaltungen.
  • Pro Semester sieht der Musterstudienplan 4-5 Module vor.
  • Etwa 20% des Curriculums sollen für Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
  • Maximal 4/5 der Lehrveranstaltungen sollen in der gleichen Veranstaltungsart durchgeführt werden.

Gemäß § 28 Absatz 5 Landeshochschulgesetz M-V sind neu einzurichtende Studiengänge zu modularisieren und mit einem Leistungspunktesystem zu versehen, welches das europäische Kredit-Transfer-System (ECTS) berücksichtigt. Dies bedeutet, dass die Studiengänge in Module zu gliedern sind, die durch die Zusammenfassung von Studieninhalten thematisch und zeitlich abgegrenzt sind (§ 7 der Studienakkreditierungslandesverordnung - StudakkLVO M-V). 30 Stunden studentische Arbeitszeit entsprechen 1 ECTS-Leistungspunkt - unter Einschluss von Präsenzzeiten, Selbststudienzeiten, Prüfungszeiten, praktischen Studienzeiten etc. Der zeitliche Gesamtumfang beträgt im Regelfall 900 Stunden pro Semester. Davon kann in einem fachlich begründeten Ausnahmefall um bis zu 90 Stunden pro Semester abgewichen werden (§ 5 Absatz 3 Rahmenprüfungsordnung). Zu weiteren formalen und fachlich-inhaltlichen Kriterien für modularisierte Studiengänge wird auf den Artikel 2, Sätze 2 und 3 des Studienakkreditierungsstaatsvertrags sowie die Teile 2 und 3 StudakkLVO M-V verwiesen.

    Angemessene Präsenzzeit (Verhältnis von SWS zu LP)

    Das Verhältnis von 1 SWS zu 1,5 ECTS-Leistungpunkten (LP) wird möglichst nicht unterschritten (siehe Empfehlungen des Senats "Bologna 2.0"). Unter Zugrundelegung eines studentischen Workload von 30 LP ergibt sich eine empfohlene Präsenzzeit von maximal 20 SWS im Semester.

    Als gute Praxis für ein qualitätsvolles Studium allgemein anerkannt ist eine Präsenzzeit von 18-20 SWS je "Theorie-"Semester (ohne Praxisphasen, Abschlussarbeit, Abschlussprüfungen) - siehe: Allgemeine Bestimmungen für Magisterprüfungsordnungen (Beschluss HRK vom 06.11.2001) und Musterrahmenordnung für Diplomprüfungsordnungen an Universitäten (Beschluss KMK vom 05.11.2002). Diese Regel zielt auf die Begrenzung des studentischen Arbeitsaufwands bzw. die angemessene Berücksichtigung der Selbststudienzeit. Es ist nicht nur eine Ressourcenfrage, sondern v. a. eine fachlich-inhaltliche Frage, wieviel Kontaktzeit angemessen ist. Hohe Präsenzzeiten in einzelnen Semestern sollten in anderen Semestern ausgeglichen werden.

    Es gibt Erfahrungswerte für eine plausible Bemessung von Präsenzzeit/Selbststudienzeit bei typischen Lehrveranstaltungsarten:

    • Vorlesung (2 SWS): 30 h Präsenzeit/30 h Selbststudienzeit
    • Übung/Laborpraktikum (2 SWS): 30/30 bis 30/0 (je nachdem, ob in der Selbststudienzeit noch Protokolle, Übungsaufgaben oder Prüfungsleistungen angefertigt werden sollen)
    • Seminar (2 SWS): 30/60

    Die genannten Werte sind Anhaltspunkte. Die konkrete Selbststudienzeit bemisst sich aus fachlichen Erwägungen heraus.

    Modulprüfung

    Durch eine Modulprüfung soll festgestellt werden, ob die Qualifikationsziele des Moduls erreicht wurden (§3 (3) RPO).

    Wenn eine Prüfungsleistung nicht das gesamte Spektrum der Qualifikationsziele eines Moduls abdeckt, dann soll, sofern das Modul nicht anders konzipiert werden kann, die Prüfungsleistung angepasst werden. Formulierungen wie "Klausur zu den Inhalten der Vorlesung X" wären als Modulprüfung nicht zulässig, weil die anderen Inhalte des Moduls unberücksichtigt blieben!

    Lösungsansätze für integrative Prüfungsleistungen, die zugleich dem Grundsatz einer Prüfungsleistung je Modul gerecht werden, sind:

    1. Eine Prüfungsleistung, bestehend aus mehreren Themengebieten: üblich vor allem bei Klausuren und mündlichen Prüfungen
    2. Im Ausnahmefall separate Prüfungsleistungen: Diese sind gemäß § 7 (1) Rahmenprüfungsordnung (RPO) zulässig aber begründungspflichtig (§ 2 RPO). Mehr als zwei Prüfungsleistungen je Modul sind auch wegen des damit verbundenen unverhältnismäßig hohen Prüfungsverwaltungsaufwandes nicht sinnvoll.
    3. Die Portfolioprüfung gemäß § 22 (7) RPO, als Königsweg insb. in praktischen Modulen: Mehrere Einzelleistungen werden zur Modulnote aggregiert.
      • bspw. schriftliche Leistungskontrolle in Vorlesung X (30 Minuten), Protokoll (10 Seiten) in Übung Y, Präsentation mit Diskussion (20 Minuten) im Seminar Z etc.
      • Beachte: Teilleistungen einer Portfolioprüfung werden (wie Studienleistungen auch) vom Grundsatz her veranstaltungsbegleitend erbracht. D.h. Klausuren, mündliche Prüfungen oder Hausarbeiten gemäß §§ 7, 19-21 RPO können also nicht in eine Portfolioprüfung integriert werden.

    Durch Modulprüfungen, welche das gesamte Spektrum eines Moduls umfassen, haben die Studierenden eine Motivation, sich in allen Teilen und Lehrveranstaltungen eines Moduls anzustrengen :-)

    Benotung oder nicht?

    In Bachelorstudiengängen sind mindestens 70 Prozent und in Masterstudiengängen mindestens 80 Prozent der Module benotet. Mindestens ein Modul ist lediglich mit „bestanden“ oder „nicht bestanden“ bewertet (§ 9 (1) RPO). Die Note dient der Information der Studierenden über ihren Leistungsstand und ist daher wichtig. Wichtig ist eine Rückmeldung über den Leistungsstand auch bei Studienleistungen wie bspw. Protokollen.

    Berechnung der Gesamtnote

    Von den benoteten Modulprüfungen müssen mindesten 70 % in die Gesamtnote eingehen (§ 9 (2) RPO). Um den Verwaltungsaufwand gering zu halten, wird dringend empfohlen, die einzelnen Noten entsprechend der jeweiligen Arbeitsbelastung, also den Leistungspunkten zu wichten.

    Modulbeschreibungen

    nur so detailliert wie nötig!

    Die Beschreibung eines Moduls muss gemäß § 7, Absatz 2 Studienakkreditierungslandesverordnung (StudakkLVO M-V) mindestens enthalten: 1. Inhalte und Qualifikationsziele des Moduls, 2. Lehr- und Lernformen, 3. Voraussetzungen für die Teilnahme, 4. Verwendbarkeit des Moduls, 5. Voraussetzungen für die Vergabe von ECTS-Leistungspunkten entsprechend dem European Credit Transfer System (ECTS-Leistungspunkte), 6. ECTS-Leistungspunkte und Benotung, 7. Häufigkeit des Angebots des Moduls, 8. Arbeitsaufwand und 9. Dauer des Moduls. Des Weiteren ist die Stelle anzugeben, die für das Modul verantwortlich zeichnet.

    Die Modulbeschreibungen sollen Orientierungs- und Rechtssicherheit gewährleisten. Die Prüfungs- und Studienordnung einschließlich der Anlagen "Musterstudienplan" und "Modulbeschreibungen" müssen in deutscher Sprache formuliert sein, auch wenn die Titel der Module und die Fachbegriffe bspw. auf Englisch gehalten sind. Modulbeschreibungen sind als Teil einer Satzung nur so detailliert wie nötig abzufassen; Literaturquellen und die Namen der Dozent*innen werden nicht in den Modulbeschreibungen bekannt gegeben, sondern in kommentierten Vorlesungsverzeichnissen oder Modulhandbüchern. Modulbeschreibungen sind üblicherweise in Tabellenform abgefasst und bilden die Anlage B zur Prüfungs- und Studienordnung. Eine Muster-Modulbeschreibung finden Sie hier.

    Adäquate Prüpfungsformen

    Die Prüfungsformen sollen je nach den zu erwerbenden Kompetenzen gewählt werden und daher vielfältig sein

    Schriftliche Prüfungen Fachkompetenz Methodenkompetenz
    Mündliche Prüfungen Fachkompetenz Methodenkompetenz (Sozialkompetenz)
    Referate/mündliche Präsentationen Fachkompetenz Methodenkompetenz Sozialkompetenz (falls zu zweit oder in der Gruppe durchgeführt) Selbstkompetenz
    Portfolios Fachkompetenz Methodenkompetenz Selbstkompetenz (Königsweg zur Integration mehrerer Teilleistungen in eine Modulprüfung)
    Protokolle/Übungen Fachkompetenz Methodenkompetenz
    Parcours (z. B. OSCE) Fachkompetenz Methodenkompetenz
    Weitere Prüfungsleistungen Thesenpapiere, Posterpräsentationen, Wissenschaftspraktische Tätigkeit (inklusive deren Dokumentation), Lerntagebücher/Studientagebücher/LernjournaleGruppenprüfungen, Forumsbeiträge im Netz

    Anwesenheitspflicht?

    Problemlage: mangelnde studentische Anwesenheit (Engagement?)

    Eine Anwesenheitspflicht ist grundsätzlich nur dann möglich, wenn in den Qualifikationszielen eines Moduls Kompetenzen definiert werden, die nur durch eine Anwesenheit der Studierenden erreicht werden können. Zu solchen Kompetenzen zählen beispielsweise Diskussionsfähigkeit, mündliches Argumentationsvermögen und Kommunikationsfähigkeit, die am Gesprächspartner orientiert ist. Besonders einsichtig erscheint die Notwendigkeit der Anwesenheitspflicht bei Praktika, Exkursionen, Übungen, Kolloquien, Sprachkursen. Besonders begründungspflichtig erscheint diese bei Seminaren. Eine Anwesentheitspflicht für Vorlesungen ist daher ausgeschlossen (§17a Rahmenprüfungsordnung - RPO).

    Auch wegen der bürokratischen Regelungen sollte die Anwesenheitspflicht die Ausnahme bleiben. Geeignetere Lösungsansätze zur Förderung studentischen Engagements wären die Einführung von Studienleistungen (Protokolle, Diskussionsbeiträge, Übungsschein etc. - § 17b RPO) sowie vor allem eine interaktive und begeisternde Lehre!

    Gestaltung der Studieneingangsphase

    In der Studieneingangsphase werden die Grundlagen für den Studienerfolg gelegt und hier beginnt in der Regel die Problemkumulation, die sich im späteren Studienverlauf negativ auswirken kann.

    Eigene Befunde zeigen, dass speziell für die Gestaltung der Studieneingangsphase groß geschnittene und zweisemestrige Module von Vorteil sind, die viele kleinere studienbegleitende Leistungsrückmeldungen vorsehen sowie eine etwas höhere Kontaktzeit - bis ca. 23 SWS (siehe: Broschüre).

     


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